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Im Interview: Dr. Robert Goehlich
30. Mai 2006. Dr. Robert Goehlich ist Gastprofessor für Weltraumtourismus an der Keio Universität in Yokohama, Japan. Im Interview erläutert Dr. Goehlich seine Arbeit und die gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Weltraumtourismus.


Robert Goehlich im Kreis seiner Studenten (Quelle: Robert Goehlich)

Was ist eigentlich Weltraumtourismus?

Weltraumtourismus bedeutet das Menschen privat Geld für einen Flug bezahlen der mindesten 100 Kilometer hoch ist - als Urlaubserlebnis. Anders dagegen Astronauten, die dafür bezahlt werden im Weltraum zu arbeiten.

Was ist in den kommenden Jahren/Jahrzehnten realistisch? Was werden die nächsten realistischen Schritte sein?

Die Entwicklung eines Weltraumtourismusgeschäfts hat bereits begonnen; erste Schritte sind z.B. Themenparks, Weltraumcamps und Parabelflüge. Kommerzielle suborbitale Flüge mit einigen Minuten Schwerelosigkeitserfahrung werden wahrscheinlich der nächste natürliche Entwicklungsschritt des Weltraumtourismus sein. Am erfolgreichsten ist zurzeit die Entwicklung des SpaceShipOne, entwickelt von Scaled Composites und finanziert durch Microsoft Co-Gründer Paul Allen. Am 21. Juni 2004 hat SpaceShipOne als erste privatfinanzierte Rakete eine Höhe von 100 km erreicht und vor kurzem den mit 10 Millionen Dollar dotierten Ansari X Prize gewonnen. Eine geplante Flotte von SpaceShipTwo Raumfähren soll ab 2008 Passagiere der Virgin Galactic Spaceline befördern. Ein suborbitaler Flug für Touristen besteht aus einem einwöchigen Aufenthalt an einem Weltraumbahnhof. In den ersten drei Tagen finden ein Sicherheitstraining, Simulatorflüge, Parabelflüge und eine Fahrt in der Zentrifuge statt. Am vierten Tag nimmt der Passagier an dem suborbitalen Flug teil, der abhängig von der Flugsequenz ½ bis 3 Stunden dauert. Danach werden die so genannten "Astronaut Wings" verliehen, als Auszeichnung für einen Aufenthalt im Weltraum. Die letzten Tage sind gedacht, um die Eindrücke und neuen Erfahrungen miteinander auszutauschen.

Was gehört in den Bereich der Utopie?

Alles, was technologisch und infrastrukturtechnisch nicht machbar ist. Die Entwicklung braucht Zeit und es stehen nicht übermorgen die Raketen bereit. So wie z.B. die Einführung des Handys, der CD und des eigenen PCs in den letzten 20 Jahren Schritt für Schritt geschah, wird sich auch ein Markt für Weltraumtourismus entwickeln, langsam aber stetig. Einige neue Technologien werden die Entwicklung beschleunigen, Katastrophen und politische oder wirtschaftliche Krisen verlangsamen.

Was bringt Weltraumtourismus, außer dass sich ein paar Super-Reiche einen Traum erfüllen können?

Es ist ein eine Möglichkeit, die Lebensqualität für die Menschheit zu erhöhen. Viele Menschen vergessen, dass der große Nutzen durch Satelliten TV, Internet, Flugnavigation, Telemedizin an entfernten Orten, Krisenvermeidung, usw. durch die Raumfahrt, d.h. die Satelliten, ermöglicht wird. Wird dieser Markt angekurbelt, ist ein Nebenprodukt auch ein höherer Nutzen für alle.

Was wird ein Weltraumflug kosten?

Obwohl noch keine verbindlichen Starttermine festgelegt wurden, sind bei der größten Reiseagentur für Weltraumtourismus bereits 25 Tickets für suborbitale Flüge vollständig bezahlt und hunderte von suborbitalen Flügen angezahlt. Marktstudien prognostizieren, dass die jährliche Nachfrage bei einem Ticketpreis von $100.000 bis zu 20.000 Passagiere betragen kann und immer noch 7.000 Passagiere bei $200.000. Als Vergleich: Ein Tauchausflug zur Titanic kostet derzeit $36.000.

Wird die Nachfrage überhaupt da sein?

Marktstudien haben gezeigt, dass die meisten Menschen im Weltraum "nur" die Erde betrachten wollen. Es scheint eine besondere Faszination zu sein, die verschiedenen Länder ohne sichtbare Grenzen vorbei gleiten zu sehen. Auch den Weltraum zu betrachten ist ein Genuss, da die Sterne viel klarer und heller ohne die Atmosphäre dazwischen erscheinen. Weiterhin bietet die Nahrungsaufnahme, z.B. Trinken von einer frei im Raum schwebenden Wasserkugel ohne jegliches Gefäß, viel Experimentierfreude.

Ist es auch für Sie ein Lebensziel, einmal ins All zu fliegen?

Das Erlebnis Schwerelosigkeit, die Erde zu beobachten, die Sterne ganz klar ohne störende Atmosphäre dazwischen zu betrachten und das ganze Drumherum bei einem Ausflug in den Weltraum, soll unglaublich schön und beeindruckend sein. Aber um ehrlich zu sein: Ich hätte ein ungutes Gefühl bei den ersten Flügen dabei zu sein. Nach ein paar Monaten oder Jahren erfolgreicher Flüge werde ich mich dann aber melden. Wenn Deutschland und Österreich nicht bald offener für Weltraumtourismus werden, dann werden wohl leider die Raumschiffe anderswo parat stehen.

Was unterrichten Sie genau? Was lernen die Studenten?

Das Basiswissen Raketentechnik und Raumfahrtplanung angewandt auf den Weltraumtourismus. Der Vorlesungsstoff ist interdisziplinär aufgebaut, so das nicht nur aus der Ingenieursseite Weltraumtourismus betrachtet wird, sondern auch aus der Sichtweise des Kunden (der Tourist), des Investors, der Regierung und der Umwelt. Das Semesterprojekt besteht aus einer Weltraumtourismus-Simulation, bei dem jeder Student eine Gruppe des Marktes repräsentiert. Das habe ich mir ausgedacht, da es Studenten mehr motiviert und sie mehr dabei lernen können als wöchentlich Hausaufgaben abzugeben. Die Vorlesung wird ergänzt durch Gastvorträge die teilweise per Internet übertragen werden, da die Gastvortragenden in Deutschland oder USA sind. Auch nehmen Studenten per Internet aus verschiedenen Ländern teil. Anmeldung und Teilnahme ist unter www.robert-goehlich.de möglich.

Warum unterrichten Sie nicht in Europa?

In Deutschland hatte ich zwei Kriterien der "Unikultur" nicht erfüllt: ich war zu jung, um eine Vorlesung zu halten und das Thema Weltraumtourismus zu futuristisch. Ich hoffe, dass sich das bald ändert, da ich auch sehr daran interessiert bin meine Vorlesungen in Europa fortzuführen. In Japan hat mich der Uni-Praesident mit unterstützt, die Vorlesung Weltraumtourismus zu realisieren. So wahr es möglich, das neue Fach Weltraumtourismus als Vorlesung anzumelden in nur 4 Monaten zu realisieren. Ich erinnere mich noch an den ganzen Papierkram, Dokumente mit 15 Inkans (jap. Unterschriften) und die Sitzungen. Wie ein kleines Wunder hat dann im sonst manchmal etwas bürokratischen Japan alles geklappt und im November 2003 startete Space Tourism I, gefolgt vom Vertiefungskurs Space Tourism II. Seit einem Jahr biete ich das Fach Raumfahrtwirtschaft an, was eine Kreuzung aus Raumfahrttechnik und Wirtschaft ist. Themen hierbei sind z.B. wie Raumfahrtorganisationen Kosten senken können oder wie man den Gewinn von Raketenprogrammen optimieren kann.

Eine Kurzbiographie von Dr. Robert Goehlich

Dr. Goehlich, 1975 in Berlin geboren, hat an der TU Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert und promoviert. Seit fünf Jahren beschäftigt er sich mit Weltraumtourismus und hat dazu auch Forschungsaufenthalte am Technion (Israel), University of Washington (USA), National Aerospace Laboratory (Japan) und Kourou Weltraumbahnhof (Franz. Guiana) gemacht. Zu diesem Thema wurden von Dr. Goehlich zwei Bücher veröffentlicht, die bei www.Amazon.de unter dem Suchbegriff "Space Tourism" zu finden sind und dort bestellt werden können. Seit dem 5. November 2003 bietet er an der Keio Universität in Japan eine Vorlesung "Weltraumtourismus", weltweit die erste zu diesem Thema, an und forscht bei der JAXA in der Abteilung für Future Space Transportation Systems. Finanziert wird dieses Projekt durch die japanische Regierung (Japan Society for the Promotion of Science) in Kooperation mit der Alexander von Humboldt Stiftung. Die Vorlesung "Weltraumtourismus" kann kostenlos live über das Internet empfangen werden. Weitere Infos dazu unter www.robert-goehlich.de.

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