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NASA hält Teleskopflugzeug am Boden
13. Februar 2006. Die Manager von SOFIA kämpfen gegen die Beendigung ihres Projekts, bei dem ein Infrarotteleskop an Bord einer umgebauten Boeing 747 geflogen werden soll. Der Grund sind Etatkürzungen der NASA.


Künstlerische Darstellung der Boeing 747 SOFIA Vergrößerung (Quelle: NASA)

SOFIA hinkt zwar dem Zeitplan hinterher und hat zudem schon ihr Budget überschritten, es sei aber unsinnig, das Projekt so kurz vor der Fertigstellung zu beenden, so ein Sprecher.

Das Teleskop ist bereits installiert, so David Black, der Präsident der Universities Space Research Association, die das Projekt entwickelt hat.

Tests der Verkabelungen und der Konstruktion werden noch einige Monate dauern, „aber dann sind wir startbereit,“ sagte Black. „Wir sind spät dran und zu teuer,“ gibt Black zu, “aber jetzt sind wir so weit. Deshalb ist es etwas überraschend, dass diese Entscheidung getroffen wurde.“

SOFIA (Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy) besteht aus einer Boeing 747 mit einem 23 Tonnen schweren 2,5 Meter Teleskop an Bord. Das Flugzeug kann in einer Höhe von 13 Kilometern fliegen, höher als 99 Prozent des Wasserdampfes der Erdatmosphäre. Wasserdampf absorbiert infrarote Strahlung.

Das Projekt wurde 1996 begonnen, als die NASA ein internationales Konsortium von Forschungseinrichtungen mit der Entwicklung von SOFIA beauftragte. Das Projekt sollte 185 Millionen Dollar kosten und 2002 einsatzbereit sein.

Die Entwicklung hat inzwischen 330 Millionen Dollar verschlungen, hauptsächlich Gelder der NASA und des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums, welches das Infrarotteleskop beisteuerte. Die größten Kostenbringer waren geänderte Sicherheitsvorschriften, die nach der Explosion eines Treibstofftanks an einer anderen Boeing 747 eingeführt wurden, sowie die Ereignisse des 11. September 2001 und der Absturz der Raumfähre Columbia im Jahr 2003.

Aufgrund der gestiegenen Kosten überprüfte die NASA das Projekt. In dem am 5. Februar veröffentlichten Haushaltsantrag an den Kongress fehlte die Finanzierung des Projekts dann völlig. „Wir können es nicht zulassen, dass ein Projekt außer Kontrolle gerät und dadurch alle anderen beeinträchtigt,“ begründete NASA Wissenschaftsadministratorin Mary Cleave die Kürzung.

SOFIA gehört zu einer Reihe von prominenten Wissenschaftsmissionen die im nächsten Haushalt gekürzt oder gestrichen wurden. Im wesentlichen steigt die Fördersumme für Wissenschaftsmisssionen bis 2011 nicht weiter an, um drei Milliarden Dollar zusätzliche Kosten des Shuttle Programms zu finanzieren. Die NASA hat hauptsächlich Missionen gekürzt, die sich in der Frühphase ihrer jeweiligen Entwicklung befinden. „Es ist normalerweise einfacher, Missionen am Anfang zu kürzen oder zu streichen,“ sagte Cleave.

SOFIA braucht weitere 80 Millionen Dollar um gegen Ende des Jahres 2006 Testflüge durchzuführen und dann zwei Jahre später in den regelmäßigen Wissenschaftsbetrieb zu gehen. Die NASA müsste den Vertragspartnern bei einer Beendigung des Projekts in etwa genauso viel zahlen, sagt Black. „Von einem rein finanziellen Standpunkt aus gesehen macht ein vorzeitiges Ende keinen Sinn.“

Wissenschaftlich gesehen wäre es ebenfalls ein Verlust. „Die Notwendigkeit für das Teleskop besteht weiterhin,“ sagt Black. SOFIA würde einen großen Bereich der elektromagnetischen Strahlung, vom sichtbaren zum Radiobereich, beobachten. Es wurde speziell für die Beobachtung kalter Objekte entwickelt, etwa Sternwiegen und stellare Staubscheiben, die im relativ langwelligen Bereich strahlen.

Im Gegensatz zu Weltraumteleskopen könnte SOFIA nicht ununterbrochen beobachten. Möglich wären etwa drei Flüge pro Woche. Von Vorteil wäre die Möglichkeit, Reparaturen und Verbesserungen durchzuführen. „Bei einer Panne brauchen wir keine Raumfähre,“ erklärt Black. Im Gegensatz zu Infrarotteleskopen im All, die ihre Kühlflüssigkeit (flüssiges Helium) innerhalb weniger Jahre verlieren, könnte SOFIA’s Kühlmittel nach Bedarf ersetzt werden, was die Laufzeit des Teleskops auf mögliche 20 Jahre ausdehnt.

Der 2,5 Meter Spiegel ermöglicht eine dreifach höhere Auflösung als das SpitzerTeleskop, dessen Start und Entwicklung die NASA 780 Millionen Dollar gekostet hat. „Ein größerer Spiegel macht bei diesen Wellenlängen eine Menge aus,“ sagt Raymond Carlberg, Astronom an der University of Toronto.

„Es ist immer eine Enttäuschung, wenn eine Entwicklung kurz vor ihrer Fertigstellung eingestellt wird,“ sagte Carlberg. „Jeder hoffte auf einen stärkeren Anstieg des Budgets, aber die Umstände ließen das einfach nicht zu.“ Er fügte hinzu, dass er die Tradition der NASA, gerade die überteuerten Projekte zu überprüfen, für richtig halte. „Vielleicht können die Sterne noch etwas warten.“
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Quelle: New Scientist zur Startseite...



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