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Festakt auf dem Calar Alto
28. Juni 2005. Aus Anlass des 25-jährigen Bestehen des Observatoriums und zur neuen Deutsch-Spanischen Kollaboration wird in der Kuppel des 3.5-m-Teleskops gefeiert.


Das Calar-Alto-Observatorium. Blick von Norden auf die Teleskopkuppeln. Von links nach rechts: das 2.2-meter-Teleskop, das spanische 1.5-Meter-Teleskop (im Vordergrund), das 1.2-Meter-Teleskop, der Schmidt-Spiegel und die 43 Meter hohe Kuppel des 3.5-Meter-Teleskops. Im Hintergrund die Küste bei Almeria. Vergrößerung (1,7MB) (Quelle: Max-Planck Institut).

Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Calar Alto Sternwarte sowie der Einweihung seiner neuen Betriebsform als eines vom Consejo Superior de Investigaciones Cientificas und der Max-Planck Gesellschaft betriebenen Konsortiums findet am 29. Juni 2005 ein Festakt in der Kuppel des 3.5-m-Teleskops statt. Dazu laden die spanische Ministerin für Bildung und Wissenschaft und in ihrem Namen der Präsident des Consejo Superior de Investiagaciones Cientificas sowie der Präsident der Max Planck Gesellschaft ein. Der Veranstaltung stehen ihre königlichen Hoheiten, die Prinzen von Asturias, vor.

Am 28. September 1979 eröffnete König Juan Carlos I. von Spanien offiziell das Deutsch-Spanische Astronomische Zentrum DSAZ, welches allgemein als Calar-Alto-Observatorium bekannt ist. Mit der Sternwarte auf dem 2168 Meter hohen Berg gleichen Namens hatten deutsche und spanische Astronomen erstmals Teleskope und Messinstrumente auf Weltniveau zur Verfügung. Mit dem im November letzten Jahres vom spanischen Consejo Superior de Investigaciones Científicas (CSIC) und der deutschen Max-Planck-Gesellschaft (MPG) unterzeichneten Abkommen auf 50-Prozent-Basis sind nun Betrieb und Nutzung des DSAZ auch für die nächsten Jahre gewährleistet. Die Vereinbarung beinhaltet u.a. eine gesicherte Finanzierung für Entwicklung und Bau neuer Messinstrumente.

Wegbereitend für den Bau des DSAZ war die 1962 unter maßgeblicher Beteiligung des späteren Gründungsdirektors des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg (MPIA), Hans Elsässer, erstellte Denkschrift für Astronomie. Dort wurde die desolate Situation für deutsche Astronomen im Bereich der beobachtenden Astronomie beklagt. Nach der Gründung des MPIA (1967) - dem späteren Heimatinstitut des Observatoriums - fiel 1970 die Standortentscheidung auf den andalusischen Berg Calar Alto, da dieser die besten meteorologischen Bedingungen Kontinentaleuropas bot. Nach Abschluss des von den Regierungen Spaniens und Deutschlands ausgehandelten Vertrages konnte der Bau des unter der Trägerschaft der Max-Planck-Gesellschaft und der Comisión Nacional de Astronomía betriebenen Observatoriums beginnen.

Spätestens seit Inbetriebnahme der großen, von Zeiss (Oberkochen) gebauten und mit Spiegeln der Mainzer Schott Glaswerke ausgerüsteten Teleskope mit 2.2 m (1979) und 3.5 m (1986) Öffnung stand neuen Entdeckungen nichts mehr im Wege. So fanden Astronomen des MPIA z.B. die stark gebündelten Gasstrahlen (Jets) junger Sterne in unserer Milchstraße, die mit mehreren hundert Kilometern pro Sekunde ins All schießen. Zuvor hatte Elsässer herausgefunden, dass sich das Entstehungsmaterial neuer Sterne - Staub und Gas - meist in Form einer Scheibe um diese Sterne befindet. Die Vermutung, dass sich in dieser Scheibe Planeten bilden können, wurde vor einigen Jahren bestätigt. Heute zählt die Erforschung extrasolarer Planeten zu den Höhepunkten in der Astrophysik - ein Bereich, in dem auch Wissenschaftler des MPIA intensiv arbeiten.

Natürlich waren auch Planeten unseres eigenen Sonnensystems öfters Ziel der Astronomen. Ein Höhepunkt waren z.B. die spektakulären Aufnahmen vom Einsturz des Kometen "Shoemaker-Levy 9" auf den Planeten Jupiter im Jahr 1994. "Vom 3.5-Meter-Teleskop des Calar Alto kamen die weltweit ersten Bilder dieser kosmischen Katastrophe", so der Direktor des Observatoriums, Dr. Roland Gredel.

Auch fernste Galaxien lagen nun in Reichweite der Calar Alto Teleskope. Ihre Beobachtung liefert wichtige Einblicke in die Enstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Universums und der im Kosmos enthaltenen Sternsysteme, denn die Astronomen des MPIA nutzen wie ihre Kollegen große Teleskope als eine Art Zeitmaschine. Das Licht einer Milliarden von Lichtjahren entfernten Galaxie ist entsprechend lang unterwegs, um zur Erde zu gelangen. Man sieht eine solche Galaxie deshalb in der Frühphase ihrer Entwicklung. Darüber hinaus wurden u.a. wichtige Beiträge zur Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Galaxien oder zur Erforschung der rätselhaften Quasare geleistet.

Möglich sind solche Beobachtungen vor allem durch die ausgezeichnete Instrumentierung, für die das Observatorium weltbekannt ist. "Erst in Verbindung mit einem leistungsstarken Instrument wird ein großes Teleskop zu einer mächtigen Entdeckungsmaschine", erläutert Prof. Thomas Henning, der Direktor des MPIA. "Aus diesem Grunde entwickeln und bauen Astronomen und Techniker im Heidelberger Heimatinstitut und an anderen Instituten laufend neue Geräte, die auch auf dem Calar Alto zum Einsatz kommen." Dazu zählen Kameras und Spektrographen für das sichtbare Licht und für die Beobachtung im nahen Infrarot. Technologische Pionierarbeit haben Astronomen und Techniker des MPIA bei Entwicklung und Bau einer "Adaptiven Optik" geleistet. Das ALFA genannte Instrument ermöglicht, während einer astronomischen Aufnahme das durch die Erdatmosphäre bedingte ?Flackern" der Sterne zu kompensieren und damit die Bildschärfe zu optimieren. Die mit ALFA gewonnenen Erfahrungen werden demnächst auch am größten Einzelteleskop der Welt, dem Large Binocular Telescope (LBT) auf dem Mount Graham in Arizona zum Tragen kommen. Am LBT, welches zwei 8m-Teleskope auf einer Montierung vereint, sind deutsche Institute unter Federführung des MPIA zu 25 % beteiligt.

Der Bau der neuen Teleskope in der Größenordnung des LBT führt auch die "ehemaligen Großteleskope" auf dem Calar Alto in eine neue Zukunft. So benötigen nicht alle Forschungen eines der wenigen 10m-Klasse-Teleskope, zeitintensive Programme können nun erstmals ausgiebig in Angriff genommen werden, und regelmäßige Überwachungen sich verändernder Himmelsobjekte sind nun leichter möglich. Insbesondere große Himmelsdurchmusterungen wie die auf dem Calar Alto durchgeführten Programme CADIS, COMBO-17 und ALHAMBRA können nun intensiv betrieben werden und spielen einen entscheidenden Vorteil der kleineren Teleskope gegenüber ihren Nachfolgern aus: das größere Gesichtsfeld. Nicht zuletzt werden die Teleskope des Calar-Alto-Observatoriums weiterhin dazu dienen, neue wissenschaftliche Methoden und Techniken zu entwickeln, wie dies bei der adaptiven Optik ALFA der Fall ist.

Die Feier zur Vergangenheit und Zukunft des Calar Alto findet nicht nur durch die repräsentative Gästeliste, sondern auch durch die Wahl der 43 m hohen Kuppel des 3.5-m-Teleskops als Ort der Veranstaltung einen angemessenen Rahmen.    

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Quelle: Max-Planck Institut zur Startseite...



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