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Shenzhou-Reflexionen
19. April 2005. Es ist für Unbeteiligte fast unmöglich, ganz nah an die chinesischen Shenzhou-Raumschiffe heranzukommen. Modellen in Museen fehlen oft die kleinen Details für die sich Analysten wirklich interessieren, und die verfügbaren Fotografien sind oft grobkörnig und ungenau. Aber manchmal erlaubt ein organisatorischer Glücksfall auch dem Außenstehenden einen Einblick.


Laser-Refletor für Shenzhou 4 Vergrößerung (52k) (Quelle: Shanghai Observatory).

Ein Beispiel ist der Laser-Reflektor der auf dem letzten Flug der Shenzhou mitgenommen wurde. Das ist eine Anordnung optischer Prismen, die reflektiertes Licht genau dorthin lenken wo es herkam.

Richten Sie einen Laserstrahl auf den Reflektor, egal in welchem Winkel Sie ihn halten, er kommt direkt zu Ihnen zurück. Laser-Reflektoren sind schon auf verschiedenen Satelliten geflogen und werden zur Kartierung tektonischer Verschiebungen eingesetzt. Einige wurden von den Apollo-Astronauten auf dem Mond aufgebaut.

Laser-Reflektoren sind Experimente, die sich mit einfachen Mitteln in Raumschiffe und Satelliten integrieren lassen. Sie sind billig (zumindest verglichen mit anderen weltraumtauglichen Instrumenten) und brauchen keine besonderen Stromversorgungen oder Datenverbindungen.

Sie sind klein, leicht und ungefährlich. Als passives Instrument haben sie außerdem das Potential, komplexere Geräte zu überdauern. Die Laser-Reflektoren der Apollo-Ära werden immer noch regelmäßig verwendet, während alle anderen Instrumente auf dem Mond längst ausgefallen sind.

Aber was soll so ein Reflektor an Bord einer Shenzhou? Der Hauptgrund scheint die Positionsbestimmung des Raumschiffs zu sein und weniger die Erdbeobachtung.

Der chinesische Laser-Reflektor wurde von Wissenschaftlern des Shanghai Astronomical Observatory entwickelt, eine passende Institution für die Produktion optischer Instrumente. Laser des Observatoriums und anderer Einrichtungen des Landes wurden auch verwendet, um den Reflektor anzupeilen. Wissenschaftler behaupten sie hätten den Abstand zwischen Shenzhou und Erdboden mit der Genauigkeit von einem Zentimeter gemessen.

Die Internetseite des Schanghaier Observatoriums berichtet, dass der Reflektor erstmals mit geflogen ist, es wird aber nicht erwähnt, ob es auch beim bemannten Flug der Shenzhou 5 eingebaut war. Es ist möglich, dass die chinesischen Missionsplaner das Instrument aus nachfolgenden Missionen gestrichen haben, aber das scheint wenig sinnvoll. Wenn es so billig, leicht und einfach mitzunehmen ist, warum sollte es dann zurückbleiben?

Vielleicht war der Reflektor auch an Bord von Shenzhou 5 und die Administratoren der Internetseite haben schlicht vergessen, die Information hinzuzufügen. Laut staatlicher chinesischer Medien hat der Reflektor einen Durchmesser von 20 Zentimetern und wiegt weniger als ein Kilogramm. Das wäre eine minimale Last für ein großes bemanntes Raumschiff.

In jedem Fall gibt es eine einfache Möglichkeit, herauszufinden, ob es an Bord der nächsten Shenzhou-Mission mitgeführt wird. Observatorien weltweit sind mit Lasern ausgerüstet, und jedes von ihnen könnte während der nächsten Mission mit ihnen auf das Raumschiff zielen. Wird der Laser reflektiert, ist der Reflektor wahrscheinlich an Bord.

Anders als bei der Störung von Radiotelemetriedaten besteht keine Gefahr bei der inoffiziellen Verwendung eines Laser-Reflektors. China hat andererseits auch kaum eine Möglichkeit, es zu verhindern.

Es wird reichlich Zeit geben, um die Beobachtungen durchzuführen. Nach Informationen des Observatoriums in Schanghai war der Reflektor der Shenzhou 4-Mission auf dem Orbitalmodul befestigt, das nach der Rückkehr der Landekapsel noch Monate in einer Umlaufbahn blieb.

Sollte der Reflektor mitgeführt werden, dann wahrscheinlich wieder auf diesem Bauteil. Das würde eine maximale Nutzung des Instrumentes ermöglichen und auch sehr genaue Messungen der Veränderungen des Orbits erlauben. Solche Messungen könnten bei der Navigation des Raumschiffs helfen und auch Aussagen über die Dichte der Äußeren Erdatmosphäre machen.

In wenigen Monaten wissen wir mehr, vorausgesetzt ein unternehmungslustiger Astronom hat diesen Artikel gelesen und richtet einen Laser auf Shenzhou 6.          

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Quelle: Spacedaily zur Startseite...



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