Optical-Systems.com
Startseite Service Partner Sponsoren Impressum Kontakt

Cassini-Huygens
Übersicht
Service
Newsletter bestellen
Artikel empfehlen






Titan: gleiche Physik, neue Chemie
21. Januar 2005, Ingo Froeschmann. Die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse wurden heute auf einer Pressekonferenz im ESA Hauptquartier in Paris erläutert. Es entsteht das Bild einer Welt, die trotz der extremen Kälte eine Vielzahl geologischer und meteorologischer Prozesse aufweist. Nur eben mit anderen chemischen Elementen als auf der Erde.


Dieses aus drei Einzelbildern zusammengesetzte Mosaik zeigt sehr detailliert eine Gebirgskette und den Abflüsse in ein größeres Flussbett. (Quelle: ESA)

„Wir haben jetzt den Schlüssel zum Verständnis der Titanlandschaft,“ sagte Dr. Martin Tomasko, Experimentleiter für denDecent Imager /Spectral Radiometer (DISR). „Die geologischen Beweise für Niederschläge, Erosion, Abschürfungen und und Fliessbewegungen zeigen, dass die physikalischen Prozess auf dem Titan denen der Erde ähnlich sind.“

Die übertragenen Bilder zeigen eine Meteorologie und Geologie, wie wir sie in ähnlicher Form auf der Erde kennen. Es gibt komplexe Netzwerke von engen Abflusskanälen die von den helleren, höher gelegenen Gebieten in die dunkleren Ebenen fließen. Die Kanäle verbinden sich zu Flüssen und münden in Seen die Inseln und Untiefen aufweisen.

Datenmaterial vom Gas Chromatographen und Massenspektrometer (GCMS) und vom Surface Science Package unterstützen die These von Dr. Tomasko. Die Wahrscheinlichkeit, dass Flüssigkeiten die Oberfläche formen ist also hoch. Die Flüssigkeit ist aber nicht Wasser, sondern Methan, das bei den Temperaturen von unter 170 Grad Minus die auf dem Titan herrschen in flüssiger oder gasförmiger Form vorkommt.

Die Flüsse und Seen auf dem Titan scheinen zur Zeit trocken zu sein, aber Regen könnte dort vor kurzer Zeit gefallen sein. Der Aufprall der Sonde auf dem Titan wurde vom Surface Science Package aufgezeichnet und gibt dazu einige Aufschlüsse. Das Material unter einer dünnen Kruste am Landeplatz hat die Konsistenz von lockerem Sand. Das könnte das Ergebnis von Niederschlägen sein, der über Jahrmillionen gefallen ist, oder auch durch das diffundieren von Flüssigkeit aus dem Inneren zur Oberfläche.

Die relativ hohe Temperatur der Sonde erwärmte nach der Landung den Boden unter Huygens. Die Instrumente registrierten kleine Ausgasungen von Methan, was als Bestätigung der wichtigen Rolle, die Methan in der Geologie und Meteorologie des Titan spielt, gewertet wird.

Aufnahmen am Boden zeigen kleine, runde Kiesel in einem trockenen Flussbett. Spektralanalysen dieser Kiesel passen besser zu schmutzigem Wassereis als zu Gestein. Bei den niedrigen Temperaturen auf dem Titan sind diese Wasserkiesel jedoch steinhart.

Titans Boden besteht zum Teil aus Ablagerungen von Niederschlägen aus der mit organischen Komponenten angereicherten Atmosphäre. Das dunkle Material wird aus der Atmosphäre herausgewaschen und wird durch Methanregen von den Bergen gespült und sammelt sich dann in den Niederungen an.

Die Wissenschaftler haben das Edelgas Argon 40 in der Atmosphäre identifiziert. Es deutet darauf hin, dass es auf dem Titan einen Vulkanismus gibt, der aber nicht Lava ausspuckt, sondern Wassereis und Ammoniak.

Obwohl also die geologischen Prozesse auf dem Titan denen auf der Erde recht ähnlich sind, ist die beteiligte Chemie grundverschieden. An Stelle von flüssigem Wasser gibt es auf dem Titan flüssiges Methan. Gestein wird durch hart gefrorenes Wassereis ersetzt und an die Stelle von Dreck und Staub treten Kohlenwasserstoffpartikel aus der Atmosphäre und anstatt Lava spucken die titanischen Vulkane Wasseeis.
Quelle: ESA zur Startseite...
tägliche Raumfahrt NewsNewsletter bestellen



Verwandte Artikel
Die Bilder..(14. Jan 2005)
Die Landung...(14. Jan 2005)


Copyright 2005 Raumfahrt24.de Herausgeber: Ingo Froeschmann