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Cassini-Huygens
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Huygens: Nach dem großen Auftritt
17. Januar 2005, Ingo Froeschmann. Ein nicht gegebenes Computer-Kommando, wahrscheinlich ein menschliches Versagen, verursachte den Verlust der Hälfte der gemachten Bilder der Sonde Huygens. Wie die Projektleiter am Samstag in einer Pressekonferenz der ESA bekannt gaben, haben 350 Bilder und hochwertige Daten der anderen Instrumente an Bord die Erde erreicht. Unverhoffte Messungen erdbasierter Radioteleskope werden wahrscheinlich die Lücke füllen, die der Ausfall eines Sendekanals verursachte.


Dieses Bildermosaik zeigt einen 360 Grad Blick um Huygens . Auf der linken Seite, in dieser Perspektive also hinter Huygens, sieht man die deutliche Grenze zwischen hellen und dunklen Gebieten. Die hellen Streifen in der Nähe dieser Grenze könnten Bodennebel, bestehend aus Ethan- oder Methandampf, sein, die aus größerer Höhe nicht sichtbar waren. Während des Sinkflugs überquerte die Sonde eine Ebene (in der Mitte des Bildes) und trieb in Richtung ihres Landeplatzes in einem dunklen Gebiet (auf der rechten Seite). Aus der Bewegung der Sonde schlossen die Wissenschaftler auf eine Windgeschwindigkeit von 6-7 Metern pro Sekunde. Das dunkle Landegebiet ist wahrscheinlich ein Abflusskanal, der noch Flüssigkeiten enthalten könnte. (Vergrößerung (167k)) (Quelle: ESA)

„Ich bin sehr, sehr glücklich Ihnen mitteilen zu können, dass wir sehr gute Daten erhalten haben, die uns ermöglichen sollten unsere Ziele zu erreichen und wahrscheinlich sogar mehr,“ sagte der Huygens Projektleiter Jean Pierre Lebreton.

Huygens berührte die Titanatmosphäre am Freitag gegen 11:13 Uhr. John Zarnecki, Experimentleiter für das Surface Science Package berichtete, dass die Sonde 2 Stunden 27 Minuten und 50 Sekunden gebraucht habe, um die Atmosphäre zu durchqueren. Der Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 16,25 Stundenkilometern verursachte eine sehr kurze Abbremsung von 15 G. Dadurch wurde ein Sensor ausgeschaltet, der sich aber nach einigen Minuten von selbst wieder aktivierte.

Ein Gerät zur Messung des Untergrunds bohrte sich 15 Zentimeter in den gefrorenen Boden. Aus dieser Information und der Messung  der Abbremsung beim Aufschlag können die Wissenschaftler auf die Eigenschaften der Oberfläche am Landeplatz schließen.

„Was wir glauben zu sehen, ist ein Material mit einer dünnen Kruste und darunter eine relativ gleichförmige Masse,“ sagt Zarnecki. „Die beste Analogie die mir einfällt, ist feuchter Sand oder Ton. Das bedeutet nicht, dass wir Sand oder Ton gefunden haben , es handelt sich lediglich um eine Substanz mit ähnlichen mechanischen Eigenschaften.“

Die während des Fluges in der Atmosphäre gemessenen Daten ergaben Windgeschwindigkeiten von etwa 25 Stundenkilometern in 10 bis 20 Kilometern Höhe. Ein Mikrofon nahm sogar die Windgeräusche auf. 17 bis 19 Kilometer über der Oberfläche flog Huygens durch eine Methanwolke.

Die Aussentemperatur zu Beginn des Atmosphärenfluges betrug 167 Grad unter Null, während es an der Oberfläche des Titan mit Minus 143 Grad Celsius etwas wärmer war.

Huygens war darauf programmiert, Telemetrie und wissenschaftliche Daten auf zwei unterschiedlichen Radiokanälen zu senden. Kanal A war der einzige Übertragungsweg für ein Experiment, das anhand von Frequenzänderungen, verursacht durch kleine Bewegungen der Sonde, die Windgeschwindigkeiten messen sollte. In einer weiteren beabsichtigten Abweichung von kompletter Datenverdopplung wurden die Bilder des Decent Imagers zu gleichen Teilen über Kanal A und B gesendet.

Wie sich herausstellte, hat Cassini den Kanal A wegen eines Programmierfehlers nie empfangen. Der Empfänger von Cassini hat nie den Aktivierungsbefehl erhalten.

„Wir sind Menschen und als solche sollten wir aus Fehlern lernen, also werde ich eine Untersuchung einleiten um festzustellen, warum der Befehl nicht gegeben wurde“ sagte Wissenschaftsdirektor David Southwood. „Es gab einige Falschmeldungen, nach denen andere Weltraumagenturen (gemeint ist NASA) beteiligt waren. Das stimmt nicht. Es ist Zuständigkeit der ESA.“

Wie aus einem von der ESA veröffentlichten Bericht hervorgeht, war der fehlende Befehl Teil einer Softwareergänzung die die ESA für die Huygens Mission entwickelt hatte und die von den für Cassini zuständigen Wissenschaftlern wie bestellt eingerichtet wurde.

Der Experimentleiter für den Decent Imager, Martin Tomasko von der University of Arizona, berichtete von den Debatten die darüber geführt wurden, ob alle Bilder und Spektraldaten auf beiden Übertragungskanälen gesendet werden sollten um volle Redundanz zu erzielen. Am Ende entschieden sie sich, die Spektraldaten über beide Kanäle zu senden, die Bildrate aber zu verdoppeln, indem verschiedene Aufnahmen über die Kanäle gesendet wurden. Der Verlust von Kanal A bedeutet nun statt 700 Bildern noch 350.

"Wir haben also ein paar Löcher in unseren Panoramen, aber wir haben auch Überlappungen in den Daten. Ich denke, wir werden gut damit arbeiten können. Die Qualität der Panoramen, die wir in den nächsten Tagen und Wochen erstellen, wird wahrscheinlich noch um einiges besser werden," schätzt Tomasko.

Auch die verlorenen Daten des Doppler Windexperiments können Dank einer bemerkenswerten Leistung von Radioastronomen überall auf der Erde, die mit ihrem Netzwerk aus 18 Radioteleskopen ein Radiosignal – etwa von der Stärke eines Telefonsignals – aus einer Entfernung von 751 Millionen Kilometern empfangen konnten. Die Daten sind zwar nicht so genau wie die des Doppler Windexperiments, sollte aber die entstandene Lücke füllen können.
Quelle: Spaceflightnow zur Startseite...
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Informationsquellen
Webcam ESA Kontrollraum...(ESA)
Die Bilder..(14. Jan 2005)
Die Landung...(14. Jan 2005)


Copyright 2005 Raumfahrt24.de Herausgeber: Ingo Froeschmann