Startseite Service Partner Sponsoren Impressum Kontakt
Astronomie
Übersicht

Raumfahrt24
Newsletter bestellen






Explosionen in majestätischen Spiralgalaxien
01. Dezember 2004, Frank Erhardt. Bilder von schönen Galaxien, und im speziellen spiralförmigen Schwestern unserer eigenen Milchstraße, lassen nur wenige Menschen kalt. Es ist in der Tat schwierig dem Charme dieser eindrucksvollen, großen Strukturen zu widerstehen.

Astronomen am Paranal Observatory nutzten das vielseitige VIMOS Instrument am Very Large Telescope um zwei prächtige Beispiele dieser "Insel-Universen" zu fotografieren. Noch viel entscheidender war, dass beide Galaxien eine spezielle Art von Supernova beherbergten.

Vergrößerung (4,2m) (Quelle: ESO)
Die eindrucksvolle Spiralgalaxie NGC 6118
befindet sich nahe dem Himmelsäquator in der Konstellation "Schlange". Es ist ein vergleichbar schwaches Objekt der Helligkeit 13mag, mit einer eher niedrigen Oberflächenhelligkeit, was es schwer macht es mit kleineren Teleskope zu beobachten. Dies hat dazu geführt, dass Amateur-Astronomen der Galaxie den Spitznamen "Blinking Galaxy" gegeben haben, weil sie bei bestimmten Ausrichtungen der Teleskope zu sehen ist, nur um plötzlich wieder zu verschwinden, wenn man die Position des Auges ein wenig verändert.

Für das VLT stellt dies natürlich kein Problem dar, und man kann hier diese prächtige Galaxie bis ins Detail erkennen. Das Foto wurde während mehrerer Nächte um den 21. August 2004, durch verschiedene optische Filtern, mit dem VIMOS Instrument aufgenommen.

NGC 6118 befindet sich in etwa 80 Millionen Lichtjahren Entfernung, und ist eine großartige Spiralgalaxie (sie ist eingeordnet als Typ "SA(s)cd") deren Stellung zu uns einen kleinen zentralen Balken und mehrere, eher eng gewundene Spiralarme zeigt, in denen man eine große Anzahl von bläulichen Knoten erkennt. Die meisten von ihnen stellen aktive Sternentstehungsgebiete dar, und in einigen kann man sehr leuchtstarke und junge Sterne wahrnehmen.

Vergrößerung (683k) (Quelle: ESO)
Die Supernova 2004dk
Von besonderem Interesse ist das vergleichbar helle, sternartige Objekt, dass direkt nördlich des galaktischen Zentrums, im Außenbezirk liegt: Dies ist die Supernova 2004dk die zuerst am 1. August 2004 beobachtet wurde. Beobachtungen einige Tage später zeigten, dass es sich um eine Supernova vom Typ Ib oder Ic handelt, die einige Tage vor ihrer maximalen Helligkeit eingefangen wurde. Es wird angenommen, dass diese spezielle Art von Supernovae aus einem massiven Stern hervorgeht, der irgendwie seine gesamte Wasserstoffhülle verloren hat, eventuell durch einen Transfer von Material in einem Binärsystem, bevor er explodierte.

Die zweite Galaxie, aufgenommen vom VLT ist eine andere Spiralgalaxie: die wunderschöne, mehrarmige Galaxie NGC 7424, die fast senkrecht zu uns steht. Diese etwa 40 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie, die sich in der Konstellation "Kranich" befindet, wurde von Sir John Herschel entdeckt, als er am Kap der Guten Hoffnung beobachtete.

Vergrößerung (972k)(Quelle: ESO)
Diese Galaxie ist eingeordnet als Typ "SAB(rs)cd", was bedeutet, dass sie sich zwischen normalen Spiralgalaxien (SA) und Balken-Spiralgalaxien (SB) befindet und daher eher offene Spiralarme und einen kleinen, zentralen Kern hat. Sie zeigt ebenfalls viele ionisierte Gebiete und Haufen junger, massiver Sterne. Zehn junge und massive Sternhaufen können identifiziert werden, die zwischen 1 und 200 Lichtjahren groß sind. Die Galaxie hat etwa einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren, was ähnlich der Größe der Milchstraße ist.

Wegen ihrer geringen Oberflächenhelligkeit ist für die Beobachtung dieser Galaxie ein dunkler Himmel sowie eine klare Nacht notwendig, um sie so detailreich zu sehen. Beobachtet mit einem kleinen Teleskop erscheint sie als große, ellipsenförmige Dunstglocke in der man die Spiralstrukturen nicht erkennen kann.

Supernova 2001ig
Am Abend des 10. Dezember 2001 hat der Australische Amateurastronom Reverend Robert Evans seine 39. Supernova entdeckt: Supernova 2001ig in den Randgebieten von NGC 7424. Zuerst mit einer Helligkeit von 14.5mag wurde diese Supernova schnell um den Faktor 8 heller, hin zu 12.3mag. Einige Monate später war sie dann nur noch ein Objekt mit einer Helligkeit kleiner als 17mag. Zum Vergleich, die gesamte Galaxie hat eine Helligkeit von 11mag: zur Zeit ihres Maximums leuchtete die Supernova folglich nur dreimal schwächer als die gesamte Galaxie. Dies muss ein prächtiges Feuerwerk gewesen sein.

Vergrößerung (623k)(Quelle: ESO)
m Archiv von ESO´s Very Large Telescope fand sich ein Bild von NGC 7424 vom 16. Juni 2002. Obwohl die Supernova zu dieser Zeit wesentlich schwächer war als noch 6 Monate zuvor, kann man sie noch sehr gut auf dem Bild erkennen (Foto oben).

Spektren, aufgenommen während der folgenden Monate (mit ESO's 3.6-m Telescope in La Silla) zeigten, dass sich das Objekt zu einer Supernova vom Typ Ib/c entwickelt hat. Im Oktober 2002 war der Übergang zu einer Typ Ib/c vollzogen. Mittlerweile wird angenommen, dass diese Supernova aus der Explosion eines sehr massiven Sterns hervorgegangen ist, einem so genannten "Wolf-Rayet Stern", der, zusammen mit einem heißen Begleiter, zu einem sehr dichten Binärsystem gehört hat, in dem sich die Partner etwa alle 100 Tage einmal umkreisten. Zukünftige Beobachtungen werden vielleicht die Präsenz des Begleiters enthüllen, der die Explosion überlebt hat und nun dazu verdammt ist in der Zukunft ebenfalls als Supernova zu explodieren.
Übersetzung: Frank Erhardt Science@NASA Deutsche Version
Quelle: ESO News Release zur Startseite...
tägliche Raumfahrt NewsNewsletter bestellen



Copyright 2004 Raumfahrt24.de Herausgeber: Ingo Froeschmann