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Weltraumaufzug vom Mond leichter
19. November 2004, Ingo Froeschmann. Der Science Fiction Autor Arthur C. Clarke hat einmal vorausgesagt, dass Weltraumaufzüge 50 Jahre nach dem Zeitpunkt Wirklichkeit werden, zu dem die Menschen aufgehört haben über die Idee zu lachen. Dieser Zeitpunkt ist möglicherweise erreicht.

Künstlerische Darstellung einer Station an der Spitze eines Mondaufzuges (Quelle: Star-Tech-Inc.com)
Jerome Pearson geht seit den frühen siebziger Jahren mit Ideen zu Weltraumaufzügen schwanger, seit er einen Vortrag Arthur C. Clarke’s über geostationäre Satelliten besucht hatte. Zu der Zeit arbeitete er am Ames Research Center der NASA.

Pearson erinnert sich:“Clarke sagte, dass man sich einen geostationären Satelliten vorstellen kann, als wäre er die Spitze eines 35 786 Kilometer hohen Turmes über dem Äquator.“ Pearson dachte sich damals, „Warum nicht den Turm wirklich bauen?“

Es ist theoretisch möglich, ein Gegengewicht in einem geostationären Orbit zu parken, und von dort ein Kabel auf die Erde herunterzulassen. An diesem Kabel können dann Aufzüge herauf und herunterklettern. In der Praxis sieht es anders aus. Ein Material, das stark genug ist auch nur das Gewicht des Kabels selbst zu halten, existiert nicht. Aber in den letzten Jahren gab es erhebliche Fortschritte in der Nanotechnologie, die ein solches Material möglich erscheinen lassen. Und damit ist die nicht mehr so lächerlich.

In der Zwischenzeit hat Jerome Pearson eine alternative Idee entwickelt, die mit den verfügbaren Materialien bereits technisch realisierbar wäre. Er entwickelte die Idee eines Aufzug für den Mond. Auf dem Mond beträgt die Schwerkraft ein sechstel der Erdanziehung, und ein geeignetes Kabel kann schon heute hergestellt werden. Ein Kabel von der Mondoberfläche würde eine preiswerte Methode darstellen, Mineralien in den Erdorbit zu befördern.

Ein Mondaufzug funktioniert anders als ein Aufzug von der Erde in den Orbit und benutzt den Erde-Mond Lagrange Punkt 1 (L1), an dem sich die Schwerkraft von Mond und Erde ausgleicht. L1 liegt etwa 58 000 Kilometer über der Oberfläche des Mondes.

Pearson schlägt der NASA vor, ein Raumschiff mit einer gigantischen Kabelrolle nach L1 zu schicken und von dort das Kabel auszurollen. Ist das Kabel schließlich mit der Mondoberfläche verbunden, bietet es genug Spannung für Geräte die an dem Kabel entlangwandern.

Das klingt alles reichlich futuristisch und hätte es wahrscheinlich nicht bis in die Nachrichten geschafft, würde sich die NASA nicht für das Projekt interessieren. Das NASA Institute for Advanced Concepts (NIAC) hat immerhin 75 000 US Dollar für eine sechsmonatige Prüfung freigegeben.

Der Vorteil eines Mondaufzugs gegenüber einem Erdaufzug ist schlicht die Machbarkeit des Projekts. Aufgrund der geringeren Schwerkraft werden keine exotischen Materialien benötigt, stattdessen reichen industriell herstellbare Materialien wie Kevlar. Pearson hat sein Augenmerk auf ein Material mit dem Namen M5 gerichtet. Er hat errechnet, dass eine Spule mit 6800 Kilogramm des Materials genügen, um die Verbindung Mond-L1 herzustellen. Dieses Gewicht kann mit einer einzigen der gängigen großen Raketen zum Ziel gebracht werden.

Auch über die Verwendung von Mondmaterialien hat Pearson schon nachgedacht. Regolith könnte als Abschirmung von Raumstationen verwendet werden, Metalle und Mineralien könnten beim Bau dieser Raumstationen eingesetzt werden.

Jerome Pearson hofft, das die Förderung ihm hilft, die NASA davon zu überzeugen, dass ein Mondaufzug ein wertvoller Beitrag zur neuen Mond-Mars-Initiative der Bush-Regierung sein kann. Es würde den Ingenieuren außerdem die Möglichkeit geben, die Schwierigkeiten des Baus eines Weltraumaufzugs zu verstehen, ohne das unter den erschwerten Bedingungen auf der Erde tun zu müssen.
Quelle: Universetoday.com zur Startseite...
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