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Die Regeln des America's Space Prize
9. November 2004, Ingo Froeschmann. Wer in die Fußstapfen von Burt Rutan treten und den nächsten großen Raumfahrtpreis gewinnen will, muß ein Raumschiff bauen, das nicht weniger als fünf Besatzungsmitglieder in eine Höhe von 400 Kilometern befördert und dort die Erde zweimal umrundet. Und dann muss diese Leistung innerhalb von 60 Tagen wiederholt werden.

So stellt Bigelow Aerospace sich seine entfaltbaren Habitate im Weltraum vor (Quelle: Space.com)
Während der erste Flug nur die Fähigkeit, fünf Personen in den Orbit zu bringen, demonstrieren soll, müssen beim zweiten Flug tatsächlich fünf Menschen an Bord sein. Und noch was: Das ganze muss bis zum 10. Januar 2010 erledigt werden.

Das sind nur einige der Regeln von America’s Space Prize, eine Initiative von Bigelow Aerospace aus Las Vegas, Nevada, die dazu dient, Weltraumtourismus im niedrigen Erdorbit anzukurbeln.

80 Prozent des Raumschiffes müssen wieder verwendet werden. Zusätzlich muss das Schiff in der Lage sein, an einer enfaltbaren Raumstation von Bigelow Aerospace anzudocken und dort sechs Monate zu bleiben.

Ein Kernziel des Geldpreises von Bigelow ist es, das Monopol, das Russland mit Sojus derzeit auf den Personentransport ins All hat, zu brechen. „Wir versuchen eine Alternative zu der nachteiligen Situation, in der sich unser Land im Bereich der Raumfahrt befindet, zu schaffen,“ sagte Robert Bigelow, Direktor von Bigelow Aerospace in einem Interview mit Space.com.

Die „no-win“ Situation der NASA

„Vor zwei Jahren war ich optimistisch, da mir in Gesprächen mit den Russen versichert wurde, dass wir alle Sojus Raketen kaufen könnten die wir bräuchten. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Situation dramatisch verändert,“  sagt Bigelow. „Nach dem Columbia Unglück braucht die NASA die Sojus Rakete unbedingt, und sie zahlen einen Preis, den kein privates Unternehmen bereit wäre zu zahlen.

NASA hat keine Wahl. „Sie müssen die Sojus Raketen nehmen und es wird schlimmer werden, wenn eines Tages die Space Shuttle nicht mehr fliegen. Das letzte was ein Privatunternehmen tun kann, ist direkt mit der NASA zu konkurrieren und Sojus Raketen zu kaufen. Wir können uns das nicht leisten, also suchen wir eine andere Lösung. Natürlich bieten auch die Chinesen irgendwann ihre Shenzhou Raketen der freien Wirtschaft an, aber das wird noch dauern.

Um die Entwicklung einer nationalen Mannschaftstransportmöglichkeit voranzutreiben, bietet Bigelow Aerospace den mit 50 Millionen Dollar dotierten America’s Space Prize an. Der Preis wird nur von dem Unternehmen unterstützt, das nur eins in einer Reihe von Unternehmen des reichen Bigelow ist.

„Wir hofften, dass die NASA einen Teil des Preises stiften würde. Aber aus verschiedenen Gründen konnten sie das nicht. Also wird Bigelow Aerospace 100 Prozent der 50 Millionen US Dollar aufbringen,” sagt Bigelow.

Das Unternehmen sei beriet, die volle Summe zu finanzieren, es wird aber auch überlegt, eine passende Versicherung abzuschließen, wenn sie finanzierbar ist.

Ein weiterer Teil der Regeln des Preises ist, dass der Wettbewerber seinen Sitz in den USA hat, und auch dort sein Geschäft leitet. Eine Finanzierung durch die Regierung disqualifiziert den Teilnehmer. Es ist aber erlaubt, regierungseigene Testeinrichtungen zu benutzen.

Potentielle Kandidaten die sich bei Bigelow Aerospace melden, werden ein Starter-Paket bekommen, das die Regeln detailliert erklärt und auch die Gründe für jede Regel erklärt.

„Zusätzlich werden in den kommenden Jahren verkleinerte Modelle der entfaltbaren Habitate gestartet und im Erdorbit getestet, als Vorbereitung für ein vollwertiges Modell, das Ende 2008 oder 2009 gestartet werden wird,“ sagt Bigelow.

Zusätzlich zu den 50 Millionen Dollar Preisgeld ist das Unternehmen bereit, weitere 200 Millionen US Dollar für verbindliche Kaufverträge für Flüge mit einem ausgewählten Vehikel anzubieten. „Das könnte jemand sein der gar nicht gewonnen hat, der aber eine bessere Architektur des Gewinners vorweisen kann.“

Anschließend werden 800 Millionen US Dollar für optionale Verträge für 24 Flüge über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren verfügbar gemacht. „Mit verbindlichen und optionalen Verträgen beläuft sich das Programm also auf 1 Milliarde US Dollar. Und es gibt nur zwei Bedingungen die einen Kaufvertrag kippen können. Eine ist, wenn die US Regierung es verbietet, privat finanzierte Raumschiffe in den Orbit zu befördern.“

Die zweite Bedingung ist die Gefahr, dass Bigelow Aerospace seine Infrastruktur nicht rechtzeitig in den Weltraum kann. „Wir geben uns viereinhalb Jahre um das zu schaffen!“ gibt sich Bigelow optimistisch. Für den Fall, dass ein weltraumgestütztes Habitat noch nicht verfügbar ist, kann eine Einrichtung auf der Erde benutzt werden, um das Docking Manöver zwischen Raumschiff und Habitat zu testen.

Der private Sektor

Bigelow Aerospace wurde im April 1999 mit der langfristigen Vision gegründet, ein Unternehmen zu werden, dass an der kommerziellen Raumfahrt profitiert. Eine Aussage, die auf der Internetseite des Unternehmens zu finden ist, erklärt, dass das Unternehmen das Ziel hat, „die derzeitige restriktive Situation betreffs privater Raumstationen und privaten Zugangs zum Weltraum drastisch zu verändern. Bewohnbare Raumstationen sollen für frei Unternehmen erschwinglich sein.“

Bigelow gibt zu, dass es keine leichte Aufgabe sein wird, ein Raumschiff zu bauen, das die Bedingungen des Wettbewerbs erfüllt. „Das ist gar keine Frage! Die nächsten fünf Jahre werden eine Herausforderung sein, für uns und die Wettbewerber.“

Die Wiederwahl des US Präsidenten bedeutet außerdem, dass die Vision der Weltraumerforschung, Mond, Mars und darüber hinaus, vorangetrieben wird und die NASA den nahen Erdorbit verlassen wird. „Das ist wichtig, denn es ermöglicht dem privaten Sektor ein Feld, in dem es vorher, außer bei Satelliten, keine Rolle gespielt hat. Das wird eine Reihe von Möglichkeiten für private Unternehmen bringen.“
Quelle: Space.com zur Startseite...
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