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Virgin Galactic: Weltraum für alle
8. November 2004, Ingo Froeschmann. Am 4. Oktober 2004 wurde mit dem dritten Raumflug von SpaceShipOne, dem ersten bemannten privaten Raumschiff, der X-Prize gewonnen. In naher Zukunft sollen Tausende von Menschen die Möglichkeit haben, in den Orbit zu reisen.

Mike Melvill auf dem Dach von SpaceShipOne, nach dem erfolgreichen Flug vom 29. September 2004 (Quelle: Scaled.com)
SpaceShipOne wurde von Burt Rutan entworfen und von dessen UnternehmenScaled Composites konstruiert. Das Datum des Fluges war unter anderem gewählt, weil am selben Tag 47 Jahre zuvor der erste künstliche Satellit der Welt, Sputnik, ins All geschossen wurde.

Acht Jahre zuvor wurde der Ansari X-Prize ins Leben gerufen um die großen Herausforderungen Luftfahrtpreise der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu wieder zu beleben. Das Ziel war diesmal, zweimal innerhalb von 14 Tagen die international anerkannte Grenze zum Weltraum, 100 Kilometer, zu erreichen. Der Ansari X-Prize wurde 1996 nach dem Vorbild des Orteig Preises, den Charles Lindbergh mit einem Soloflug über den Atlantik 1927 gewann, gestaltet.

Am 29. September trug sich Mike Melvill in das Buch der Geschichte der Luftfahrt ein. Als er bei seinem X-Prize Wertungsflug die geforderte erreichte, sah er aus dem Fenster zurück zur Erde und staunte: „Heilige Makrele! Die Aussicht ist unglaublich!“

Während der ersten Phase des zweistufigen Aufstiegs wurde SpaceShipOne von einem Trägerflugzeug auf 14 000 Meter Höhe gebracht, anschließend gelangte es mit Raketenantrieb auf über 100 Kilometer. Melvill wurde der erste Zivilist der ein Raumschiff aus der Atmosphäre flog und der erste private Pilot, der die begehrtenAstronaut wings zum Zeichen seines Ausflugs ins All bekam. Der zweite Pilot, Brian Binnie, brach sogar den über 40 Jahre alten Höhenrekord von Joseph A. Walker, der am 22. August 1963 in einer X-15 schon 107,96 Kilometer schaffte.

Einige Wochen nach dem Gewinn des X-Prize gab Burt Rutan in einem Hangar des Flughafens von Moontown, Alabama, eine öffentliche Rede. Seine Kommentare zeigten seinen Wunsch, die biologischen Prinzipien der „natürlichen Auslese“ auf das Design von Raumschiffen anzuwenden. Seine Intention ist die Experimentierfreudigkeit zu fördern. Als Rutan sein Bild der Zukunft zeichnete, sprach er vom „Weltraum für jeden von uns“, und meint hier nicht die Hochtechnologie der Regierungen. Sein Traum mag eine Welt sein, in der jeder sein eigenes Raumfahrzeug in der Garage hat, aber für den Anfang will er einige Tausend Menschen in einen niedrigen Erdorbit befördern. Und die Astronauten sollen Menschen wie „Du und ich“ sein.

Die Zentrale Frage der Rede war die Machbarkeit der Vision, 4000 Astronauten in vier Jahren zu erreichen. Die Rede war nicht vorbereitet. „Ich improvisiere, wir haben diese Rede nie zuvor gehalten.“

„Was wir versuchen, ist ein Raumschiff mit sehr niedrigen laufenden Kosten zu bauen. Wir wollen Menschen zu kommerziellem Experimentieren im Weltraum inspirieren. Etwa wie die Luftfahrt nach 1908. In dem Jahr flogen weniger als ein Dutzend Menschen. Innerhalb von vier Jahren, im Jahr 1912, gab es Hunderte von Flugzeugen in 39 Ländern. Irgendwie wurde da was losgetreten.

Ich denke es war die Einstellung der Menschen: “Ich kann das schaffen!“ Die Pioniere versuchten sich an einer Vielzahl von Fluggeräten. Von den meisten hörte man nie wieder etwas, weil sie abstürzten. Das war die natürliche Selektion. Die meisten Fluggeräte hinterließen rauchende Löcher im Erdboden. Die Frage ist, ist es jetzt, 43 Jahre nachdem der russische Kosmonaut Gagarin als erster den Weltraum erreichte, möglich, wieder solch eine innovative Phase einzuläuten?

Die Politik war bisher die Rechtfertigung für alle Missionen ins All. Wenn Sie kein Risiko eingehen, werden Sie keine Fortschritte machen. Etwa 244 bemannte Raumflüge sind seit Gagarin durchgeführt worden. 434 Menschen sind ins All geflogen.

Jetzt, nach dem X-Prize, sind es schon 436.

Im Durchschnitt gab es in den letzten 43 Jahren alle zwei Monate einen Flug. Im Jahr nach Gagarin, 1961, gab es vier bemannte Raumflüge die von zwei Ländern gestartet wurden. Diese Jahr sind es, zählt man SpaceShipOne nicht, nur zwei Raumflüge aus einem einzigen Land. Ist das  ein Rückschritt? Was ist passiert?

Die Frage könnte also lauten: Ist eine Renaissance im Weltraum möglich?

Was brauchen wir, um Bedingungen wie im Jahr 1909 zu schaffen, mit vielen Pionieren und Experimenten. Menschen die eine Einstellung haben, die glauben es mit einer neuen Idee schaffen zu können. Den Mut etwas neues zu probieren.

Es wird natürlich auch die Selektion geben. Das ist das Risiko. Aber was ist der Nutzen? Wir wissen es nicht, und ehrlich gesagt, es ist uns auch egal. Wenn Tausende im All gewesen sind, werden Sie feststellen, dass Sie die beste Nutzlast sind. Hauptsächlich weil Sie bezahlen, um Nutzlast zu sein.

Es gab in der Vergangenheit nur vier suborbitale Flüge. 1962 brachte eine Redstone Rakete die beiden ersten Mercury Astronauten auf über 100 Kilometer. 1963 wurden zwei X-15 mit einer B-52 auf eine große Höhe gebracht und von dort gestartet. Nach 1963 wurde es nie wieder versucht.

Während des Fluges von SpaceShipOne wurde für dreieinhalb Minuten Schwerelosigkeit erreicht. Es fühlt sich an als wäre man im Orbit, es sieht auch ähnlich aus, den man sieht die Rundung der Erde und den Schwarzen Himmel.

Nach 10 bis 15 Jahren werden diese suborbitalen Flüge zu geringen Kosten durchgeführt werden können. Anfangs werden die Kosten hoch, etwa 200 000 US Dollar pro Sitzplatz, sein, bis die Infrastruktur vorhanden ist. Dann wird die private Raumfluggesellschaft Virgin Galactic, jetzt schon mit 100 Millionen US Dollar von Richard Branson unterstützt, ein richtiges kommerzielles Unternehmen sein. Starts werden in der Mojave Wüste und in vier oder fünf anderen Lokation weltweit stattfinden.

Gut, wie brachten wir SpaceShipOne zum Fliegen? Als erstes kaufte ich Motoren für 65 000 US Dollar pro Stück. Dank der neuartigen Bauweise des Schiffs braucht der Pilot den Wiedereintritt in die Atmosphäre nicht zu steuern. Das funktioniert ähnlich wie ein Federball, der immer mit der Nase zuerst auf den Schläger trifft.

Die zweite Innovation ist der Lachgas-Gummi Motor. Ein einziges Ventil, das bei Raumtemperatur funktioniert, kontrolliert den Motor. Abgesehen von festen Brennstoffen, die aber nicht sicher sind, ist es die einfachste Art von Raketentreibstoff.

Wir fliegen sehr aggressiv bis etwa Mach 1,7. Wenn wir den Motor in großer Höhe zünden, erfährt der Pilot eine 3,6 fache Erdbeschleunigung. Die große Beschleunigung ist notwendig, damit wir in dichterer Atmosphäre das Schiff aerodynamisch fliegen können. So gleiten wir zum Weltraum, brauchen aber keine komplexen Höhenkontrollen oder Schubdüsen, wenn wir in der dünnen äußeren Atmosphäre angekommen sind.

Das ist alles. Virgin Galactic pumpt 100 Millionen US Dollar in die Raumlinie. Wir bauen fünf Raumschiffe für sie, sie unterscheiden sich von SpaceShipOne und jedes hat in etwa die Größe eines Gulfstream Jets. Wir werden sie in den nächsten drei bis vier Jahren bauen. Für Kinder heute, wenn sie ins All wollen, wird das kein Traum bleiben. Sie werden wissen dass sie eines Tages fliegen können
Quelle: Astrobio.net zur Startseite...
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