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Warum die Suche nach Leben die Erforschung des Alls fördert
15.Oktober 2004, übersetzt von Ingo Froeschmann. Sie tragen zwar kein Marderfellkappen, aber sie sind in der Wildnis unterwegs, um die Letzte Grenze („Final Frontier“) zu erkunden. Gemeint sind die Teilnehmer der diesjährigen International Astronautics Congress (IAC) in Vancouver.
Exoplanet
Die Anfänge des Allen Telescope Array (Quelle: Seti.org)
Die Leistungen, Pläne und Träume der Raumfahrtindustrie werden alljährlich auf einer Mammutveranstaltung, dem International Astronautics Congress, vorgestellt. Für eine Woche laufen Tausende von Raketenwissenschaftlern, Vertreter von Raumfahrtagenturen und Satellitenbauer wie psychotische Ameisen durch die riesigen Hallen Messehallen des Veranstaltungszentrums, auf der Suche nach den spannendsten Vorträgen und Podiumsdiskussionen. Filzhüte und Messer sind „out“, aber italienische Anzüge und Mobiltelefone sind „in“. Tatsache ist aber, abgesehen von Äußerlichkeiten, dass die Erforschung des Unbekannten heute nicht sehr viel anders ist als damals im Wilden Westen: schwierig, gefährlich und verführerisch.

Seit 1971 ist die Suche nach extraterrestrischem Leben (SETI) Teil des IAC, wo es normalerweise einen ganzen Tag in Anspruch nimmt, an dem die neuesten Daten, Technologien und möglichen Auswirkungen der Suche auf die Menschheit präsentiert werden. Dieses Jahr fand der Kongress in Vancouver statt, ein kanadische Stadt die wunderschön zwischen See und Bergen liegt. Passenderweise trägt Vancouver den Namen eines der größten Entdecker des 18. Jahrhunderts.

Die Skala der SETI Vorträge reichte von den neuesten Teleskopen bis zur Sprache die Außerirdische zur Kontaktaufnahme benutzen würden. Eine komplette Übersicht würde wahrscheinlich die Geduld der Leser und die erlaubte Artikellänge überreizen, also gibt es nur ein Auswahl.

Die Anstrengungen der University of California sind weiterhin ambitioniert und weitreichend. Doktorand Aaron Parsons beschrieb wie die Berkeley SETI Gruppe für den optischen Bereich, unter Verwendung eines Leuschner 30 Inch Teleskop (auf einem Hügel einige Meilen östlich von San Francisco gelegen), bis jetzt 7500 Sterne und 132 Galaxien untersucht hat. Wie andere optische Projekte wird nach Lichtblitzen im Nanosekundenbreich (also ein Billionstel einer Sekunde oder weniger) gesucht, die für diesen kurzen Moment das Licht eines Sterns überstrahlen.

Eine weitere Anstrengung Impulse zu finden, diesmal Radioimpulse anstatt optische Lichtquellen, wird ebenfalls vom Berkely Team initiiert. Es nennt sich Astropulse und verlässt sich auf Rechenpower, um die Verzerrungen von Radiowellen, die sich bei einer Reise durch heißes interstellares Gas zwangsläufig ergeben, heraus zurechnen.

Das Flaggschiff der Astronomen von Berkeley ist das Projekt SERENDIP V, dass auf dem großen Radioteleskop von Arecibo läuft, und das die Daten für den SETI@home Bildschirmschoner liefert. SERENDIP V Empfänger haben fast eine Milliarde Kanäle, die irgendwann 300 Megahertz ausgeweitet werden. Zum Vergleich, das ist mehr als 50 Mal soviel wie eine Fernsehübertragung.

Ungefähr 1% der SERENDIP Daten gehen in das SETI@home Programm. Mehr als 5 Millionen Teilnehmer haben diesen Bildschirmschoner auf ihren Rechnern, und jeden Tag kommen 2000 neue hinzu. Insgesamt hat dieses Netzwerk eine Rechenpower von 65 Teraflops, mehr als der stärkste Supercomputer. Die verteilte Computerplattform die hinter dem Bildschirmschoner steckt wird demnächst auch anderen Rechenprojekten zugänglich gemacht, wie der Krebsforschung oder der Klimaberechnung.

Dave DeBoer vom SETI Institut berichtete vom Allen Telescope Array das zur Zeit in Nordkalifornien gebaut wird. Innerhalb weniger Monate werden die ersten 32 Antennen einsatzbereit sein, was genügt um ernsthafte Untersuchungen angehen zu können. Das Array wird beginnen, die Ebene der Milchstraße zu scannen. Aufgrund der hohen Sternendichte ist dies der offensichtlichste Startpunkt.

Dank seiner spezialisierten Hard- und Software kann das ATA-32 den Himmel an 16 Stellen gleichzeitig beobachten. Mit anderen Worten, im Gegensatz zu früheren SETI Projekten kann das Teleskop viele Ziele gleichzeitig anvisieren. Am Ende, wenn das ATA auf einige hundert Antennen angewachsen ist, wird es der letzte Schrei und  hundert mal schneller als sein Vorgänger sein.

Ein anderer Ansatz um ET zu finden ist die Suche nach Konstruktionen im All. Eine Idee die seit Jahrzehnten die Forscher fasziniert ist die einer wirklich fortgeschrittenen Zivilisation, die eine riesige Kugel aus Solarzellen um ihren Heimatstern bauen, die große Energiereserven für ein sorgenfreies Leben zur Verfügung stellen würde. Die Idee geht auf den Physiker Freeman Dyson zurück und wird deshalb Dyson Sphere genannt.

Der eigentliche Punkt ist folgender: Kein Energieumwandler, auch nicht Solarzellen, ist zu 100% effizient. Die Sphäre würde sich erwärmen und Infrarotstrahlung in den Weltraum abgeben, und die ließe sich messen. Findet man also einen Stern der mehr Infrarotstrahlung als üblich abstrahlt, könnte man eine Zivilisation gefunden haben.

Richard Carrigan, vom Fermi Lab in Chicago hat alte Daten die vor Jahren von dem Infrarotsatelliten IRAS gesammelt wurden, analysiert. Er hat noch keine Kandidaten gefunden, aber seine Idee wird nachgeahmt, und mit besseren Teleskopen die bereits geplant sind, erhöhen sich hier die Chancen.

Die SETI Veranstaltungen am IAC waren wie immer beliebt und provokativ. Aber das war keine Überraschung. Was am verlockendsten ist an diesem 30 Millionen Billionen Billionen Kubiklichtjahren großen Universum, ist die Vorstellung, dass es keine endlose sterile Leere ist.  


Quelle: Seth Shostak, Space.com zur Startseite...

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